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Home Movie Day 2011
Journeys to the self. Autobiography in Home Movies and Ethnographic films.
A conference of the German Kinemathek in cooperation with the research area Visual and Media Anthropology, Institute for Social and Cultural Anthropology, Freie Universität Berlin
Samstag, 15.10.2011, Kino Arsenal 2, Potsdamer Platz, Berlin
contact: k.petersen@fu-berlin.de
Home Movies als historische und ethnologische Quelle: Diesem Thema widmet sich am 15. Oktober, dem internationalen Home Movie Day, eine Tagung der Deutschen Kinemathek in Kooperation mit dem Studiengang „Visual Anthropology“ der FU Berlin.
Was haben private Filme, die vornehmlich Reisen und Familienfeiern abbilden, mit anthropologischen Dokumentationen gemeinsam, die objektive und universelle Betrachtungen anstellen wollen? Wie unterscheiden sich Homemovies von anderen selbstbefragenden, z.B. autobiografischen und auto-ethnographischen Filmen? Taugen diese Formen filmischer Selbstauskunft überhaupt dazu, um allgemeingültige Aussagen über kulturelle Identität oder historische „Wahrheiten“ zu treffen? Während Privatfilme sich in Intention und Rezeption in einem sehr persönlichen Rahmen bewegen, der sie außerhalb dieses Kontextes schwer lesbar macht, kann der subjektive Blick in anderen, autobiografischen Filmen als künstlerische oder forschende Strategie verstanden werden, scheinbar objektive gesellschaftliche Gewissheiten in Frage zu stellen. Doch können auch und gerade Homemovies wertvolle Auskünfte über Alltagsgeschichte und Subkulturen geben, die in der traditionellen Geschichtsschreibung und statistischen Erhebungen nicht vorkommen. Sind Homemovies gar das visuelle Unbewußte historischer und soziologischer Fakten, das einer eigenen Interpretation bedarf?
Nicht überraschend also, dass Homemovies in den letzten Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit durch historische und kulturwissenschaftliche Forschungen erhalten haben. Auch die Archive entdecken zunehmend die Bedeutung dieses schwer zu erfassenden und dokumentierenden Materials. So wächst z.B. die Sammlung von Privatfilmen an der Deutschen Kinemathek stetig und steht für die wissenschaftlichen Erschließung und Aufarbeitung bereit. Gleichzeitig überschwemmt abseits der klassischen Archive eine unübersehbare Fülle an privat gedrehten Filmen das WorldWideWeb.
Die Kooperation mit dem Studiengang „Visual Anthropology“ der FU Berlin zum Thema Homemovie und auto-ethnografischer Film ist ein erster Schritt in die wissenschaftliche Erforschung bislang weitesgehend vernachlassigter, da privater Filme, wie er auch an anderen Orten gerade gegangen wird, so z.B. in Wien mit dem Projekt "Archäologie des Amateurfilms. Ausgrabungen zur visuellen Kultur der Moderne" des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Gesellschaft in Wien, das ebenfalls auf der Tagung vorgestellt wird. In Vorträgen, Filmbeispielen und Diskussionen von und mit u.a. Laurent van Lancker, Birgit Hein und Bin Chuen werden die Berührungspunkte zwischen visueller Anthropologie, Experimentalfilm und Homemovie ausgelotet. In den „Berlin Cine-Chronicles“ stellen wir Privatfilme aus Berlin als außergewöhnliches historisches Quellenmaterial vor. Teil I präsentiert Sammlungsbestände der Deutschen Kinemathek, die im Rahmen des Projekts „Archäologie des Amateurfilms“ erforscht werden. Im Teil II stellt der Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser farbige (!) Privatfilme seiner Eltern aus dem Berlin der 40er Jahre vor und unternimmt eine Neuinterpretation dieses persönlichen Filmmaterials als Dokument einer subkulturellen Lebensform am Rand der nationalsozialistischen Hauptstadt.
Die Tagung findet in englisch und deutsch statt.
Der Eintritt ist frei.
Programm:
14.00 Uhr
State of the Art
Einführung von Karin Fest (Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft in Wien) und
Kristian Petersen (Visual and Media Anthropology“, FU Berlin)
14.30 Uhr
Auto-ethnography- a subgenre of visual anthropology?
Vortrag von Laurent van Lancker (Filmemacher)
15.30 Uhr
Are youtube, facebook and other social networks the new family albums? Vortrag mit Beispielen von Starlynn Jacobs und Elena Quintarelli („Visual and Media Anthropology“, FU Berlin)
15.50 Uhr
Vorführung des Films "Jedes Mal nehme ich 9 Kilo zu, wenn ich in Hongkong bin"von Bin Chuen Choi (28 min)
Mit anschließendem Gespräch
Pause
17.00 Uhr
Vorführung des Films "Baby I will make you sweat" von Birgit Hein (66 min)
Mit anschließendem Gespräch, moderiert von Kristian Petersen (Visual and Media Anthropology“, FU Berlin)
18.30 Uhr
Homemovies als historische Quelle.
The City Cine-Chronicles 1: Berlin und Wien in Privatfilmen
Das Projekt "Archäologie des Amateurfilms. Ausgrabungen zur visuellen Kultur der Moderne" des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Gesellschaft in Wienpräsentiert Amateurfilme aus den Archiven der Deutschen Kinemathek und des Österreichischen Filmmuseums.
20.00 Uhr
The City Cine-Chronicles 2: Inseln der Erinnerungoder: Was macht ein Architekt den Krieg über im Seddinsee?
Thomas Elsaesser präsentiert Familienfilme